„Christliche Alternative für Deutschland“ FAS vom 9. März 2014, Hendrik Ankenbrand

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung veröffentlichte am 9. März 2014 einen abenteuerlich zusammengereimten Artikel, in dem behauptet wird, die AfD wandle sich zu einer erzkonservativ und christlich-fundamentalistisch aufgestellten Partei.

Nichts davon ist wahr.

Die AfD bleibt die Partei des gesunden Menschenverstands und gesunder Menschenverstand verträgt sich weder mit Ideologie noch mit Fundamentalismus. Im Folgenden nehmen Bernd Lucke und Beatrix von Storch kurz Stellung zu dem Artikel Ankenbrands:

Bernd Lucke:

Ich bin alles andere als ein fundamentalistischer Christ. Ich bin Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg, die der EKD angehört. Rund zwei Millionen evangelische Christen in Deutschland sind reformierten Bekenntnisses, darunter Frank-Walter Steinmeier und der verstorbene Bundespräsident Rau. Refomierte Kirchen sind tendenziell liberaler und demokratischer organisiert als die lutherischen oder die unierten evangelischen Kirchen. Die Zeiten calvinistischer Kirchenzucht sind längst vorbei und die Bezeichnung “Calvinist” ist für reformierte Christen nicht mehr üblich. Die Tatsache, dass Herr Ankenbrand mich (ohne jeden Beleg) als “sittenstrengen Calvinisten” bezeichnet, ist offenkundig tendenziös gemeint und wohl nur der Frustration darüber zuzuschreiben, dass er mir keine außerehelichen Affären anhängen konnte. Meine theologischen Anschauungen sind so weit vom Fundamentalismus entfernt wie es nur irgend geht.

Die Behauptung, ich empfände Frauenerwerbstätigkeit als “ein Problem”, ist frei erfunden. Ich habe so etwas nie gesagt. Meine eigene Frau ist seit langer Zeit berufstätig, meine Mutter war es, meine Schwester und meine Schwägerin sind es, meine Töchter werden es sein. Was Herr Ankenbrand schreibt, ist einfach unwahr. Im Übrigen bejahe ich sowohl die allgemeine Schulpflicht als auch die steuerliche Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften. Zu beidem hat mich Herr Ankenbrand überhaupt nicht befragt.

Herr Ankenbrand hat mich nämlich für diesen Artikel interviewt – wobei man allerdings nicht hören konnte, was er im Sinn hatte. Nach einem langen Gespräch hat er mir eine Handvoll von angeblichen Zitaten geschickt. Zitate sind bei manchen Journalisten nicht etwa das, was der Interviewte gesagt hat, sondern das, was der Interviewer gerne gehört hätte. Deshalb musste ich alle Zitate umschreiben, bis sie wieder so waren, wie ich mich geäußert hatte. Zu Ihrer Information dokumentiere ich Ihnen hier die Zitate, die ich autorisiert habe. Kaum etwas davon hat Herr Ankenbrand verwendet. Es passte nicht in seine Story. Das nennt man ergebnisorientierten Journalismus:

„Frau Metzger hat aufopferungsvoll und unter einer sehr hohen Arbeitsbelastung ein Jahr lang ehrenamtlich für uns gearbeitet. Sie will sich nun um den Aufbau einer eurokritischen Stiftung kümmern. Ich kann völlig verstehen, dass sie nicht beides machen kann.“
Daraus wurde im Artikel: „Wer dachte, der Ökonom aus Hamburg wolle mit der Kritik am Euro vor allem früheren FDP-Anhängern eine neue Heimat bieten hat sich geirrt. […] Jene in der AfD, die gegen den Euro sind […] haben verloren. […] In der Partei geht das nicht mehr.“

„Die politische Ausrichtung der AfD ändert sich nicht im Geringsten.”
Daraus wurde im Artikel: „In der AfD übernehmen bibeltreue Protestanten die Macht.“

„Nach den derzeitigen Meinungsumfragen wird die AfD sechs bis acht Sitze im Europaparlament erhalten. Aber wir haben noch nicht mit dem Wahlkampf begonnen, insofern ist das noch ausbaufähig.“

“Ich bin kein Liberaler, weil ich nun mal Christdemokrat bin. Ich war 33 Jahre lang in der CDU und wurde von meiner Partei verlassen. Das ändert nichts an meiner politischen Überzeugung. Man muss die Kräfte des Marktes sinnvoll nutzen und die Schwachen sozial schützen. Das erfordert auch Einschränkungen individueller Freiheit.“

Daraus wurde im Artikel: „Ich bin kein Liberaler.“

„Natürlich bejahe ich den Sozialstaat. Das hindert mich aber nicht, Missbrauch oder leistungsfeindliche Auswüchse zu kritisieren.“

„Frau von Storch hat keine Funktion in der AfD. Aber sie hat sich durch ihr Engagement in der Zivilen Koalition zu Recht hohes Ansehen erworben.“

„Ich begrüße es, dass sich Christen in der AfD in Arbeitskreisen organisieren. Das passt zu unserem Profil als werteorientierte Partei.“

„Für die Erziehung ist zunächst mal das Elternhaus verantwortlich. Die Schulen haben in erster Linie einen Bildungsauftrag.“

Frau von Storch ergänzt:

„Ich habe mich nicht grundsätzlich gegen die allgemeine Schulpflicht geäußert. Ich bin aber gegen Denkverbote und habe daraufhin gewiesen, dass die Mehrzahl unserer europäischen Nachbarn statt der Schul- eine Bildungspflicht hat und damit sehr gute Erfahrungen haben. Die Überschrift „AfD kritisiert Rechte von Muslimen“ resultiert von meiner Aussage, ich sei unter Beachtung des Grundrechtes der Religionsfreiheit grundsätzlich für Volksentscheide, auch beim Bau von Moscheen.

Bei der AfD geht es weiterhin und zuvörderst um drei Themen: Den Euro und die gescheiterte Euro-Rettungspolitik, die EU, ihre Defizite an Demokratie, Subsidiarität und dem ständigen Bestreben nach Zentralisierung aller Macht und um Volksentscheide auf Bundesebene. Alles andere rangiert danach. Wenn wir in der Euro-Krise nicht bald umsteuern und die Krise lösen, gibt es für kein Politikfeld noch einen Handlungsspielraum.

Vor diesem Hintergrund ist der Bericht von Ankenbrand als tendenziös und mangelhaft recherchiert zurückzuweisen. Wir hätten uns gewünscht, dass der Autor seiner Pflicht zum objektiven Journalismus nachgekommen wäre. Dies hat er in diesem Artikel leider nicht getan.“

Artikel auch in der Frankfurter Allgemeine vom 10. März 2014